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Anuga 2015 – ein Roadmovie in 2 Akten mit massig Iberico-Schwein

Dienstgamorgen, Nieselregen, Nebel, Kälte und … eine kaputte Autoheizung. So hat unser Trip zur Anuga 2015 begonnen. Man könnte sich Schöneres vorstellen … Aber wie sich herausgestellt hat, haben wir doch noch richtig Spaß bekommen und viel Neues kennengelernt! Aber seht selbst.

Im Nachhinein kommt es Tobi und mir so vor, als hätten wir einen richtigen Roadtrip hingelegt, den Roland Emmerich problemlos mit Filmmusik von Hans Zimmer hätte verfilmen können. Und der dann auch noch mit der Goldenen Himbeere ausgezeichnet worden wäre. :-) Erst ging so vieles schief – in der Hauptrolle Tobi, mit viel zu wenig Schlaf, am Steuer und auf Nikotin-Entzug, morgens über die Höllen-A3. In den Nebenrollen: Koch Louis, ebenfalls auf Entzug (die beiden haben eine Wette), sein Sohn Thomas (gerade in der Kochausbildung und als einziger um solch eine Uhrzeit wissbegierig und motiviert) und Frostbeule Lena, die im Auto ohne Heizung die Krise gekriegt hat. Nach mittelschweren Wutausbrüchen von Tobi auf derA3 endlich an der koelnmesse angekommen, werden wir Richtung Parkplatz 578 gelotst. Louis und Lena  denken allerdings: Tobi, bieg rechts ab, da ist alles frei! – Und zack, sind wir wieder auf der Autobahn. Dann folgten extreme Wutausbrüche und noch krassere Entzugserscheinungen von Seiten Tobis. Der Tag konnte eigentlich nur schrecklich werden …

Die lang ersehnte Wendung

Endlich angekommen, sehen wir außer 11 riesigen Messehallen vor allem: Männer in Anzügen. Ähm, was wollten wir nochmal hier? Leicht underdressed haben wir uns trotzdem hereingewagt und als uns der erste Stand seinen Schinken vom Iberico-Schwein entgegen gewunken hat, war alles gut. Die Welt hat sich um 180 Grad gedreht und wenn wir jetzt an ein Leben nach dem Tod glauben, glauben wir einzig und allein an den Food-Himmel! 11 Hallen purer Genuss lagen vor uns, eine davon hatte zudem das Thema „Drinks“ und es hätte uns nicht besser gehen können. Au revoir, A3!

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Völlig underdressed, aber um einen Frucht-Püree-Anbieter reicher

Nachdem wir realisiert hatten: Es gibt noch Hoffnung für diesen Tag! – da haben wir allerdings schnell gemerkt (dank der Männer in grauen Anzügen), dass die Anuga ziemlich auf Großunternehmer abzielt. Wir haben Stände gesehen von Firmen aus aller Welt, die vor allem darauf aus waren, ihre Produkte auf den deutschen Lebensmittelmarkt zu bringen. Wenn man also ein großer Rewe- oder Edeka-Boss wäre, dann wäre die Anuga wohl der Place to be. Was wird bald das ganz große Ding und was brauche ich auf jeden Fall in meinem Regal – das waren wohl die Fragen der Business People auf der Anuga. Genauso soll es ja auch sein – und dafür ist so eine Messe perfekt. Wir als Gastronomen/Köche haben dagegen eher nach guten, neuen Ideen gesucht, die wir unseren Gästen gerne auf dem Teller servieren wollen. Live Cooking war auf der Anuga leider eher weniger angesagt. Daher haben wir einfach die Augen offen gehalten, was sich in unserer Küche gut machen könnte. Eine wirklich gute Erkenntnis haben wir dabei zum Beispiel in Sachen Frucht-Püree gemacht. Hier haben wir einen tollen französischen Anbieter kennengelernt, der frische Früchte in Püreekonsistenz anbietet, die nicht nur toll schmecken, sondern auch ideal zum Ausgarnieren sind. Schnell mal die Visitenkarte eingesteckt und weiter geht’s!

Mein Hit: Wassereis-Cocktails

Wir haben noch einige andere coole Neuentdeckungen gemacht – die wir allerdings eher selbst super fanden und die wir nicht unbedingt bei uns im Gasthof sehen. Sollte es anders sein: Sagt uns Bescheid! Zum Beispiel für mich als Festival-Fan ein absolter Traum: Cocktails in Wassereis-Form, von der stylischen Marke „SUCKIT“. Ich hate die Sorte „Gin Tonic“ mit ca. 7% und war wieder im Himmel. Wenn man zum Beispiel auf einem Festival irgendwann kein Bier und keinen Schnaps mehr sehen kann, würde ich direkt 2 Euro bis open end (je nach Pegel) für einen Eis-Cocktail bezahlen. Da ich so begeistert war, durfte ich diesen Melon Sour noch schön mit nach Hause nehmen:

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Gesund und lecker: Coconut- und Aloe-Vera-Water

Was wir sonst noch mitgenommen haben: Guter Schinken wird immer eine sichere Währung auf dem Food-Markt bleiben, vegane Anbieter sprießen nur so aus dem Boden und das Thema Nachhaltigkeit ist schon extrem wichtig, aber wird auch noch wichtiger. Und Säfte! Eine riesen Halle mit Ständen, die sich komplett dem flüssigen Obst und Gemüse verschrieben haben. Man durfte natürlich überall probieren – und das Geschmackserlebnis hat gereicht von „Sowas Geiles hab ich noch nie getrunken“ bis hin zu „Warum zum Teufel stellen diese Leute klaren Bananensaft her?!“ Ganz hoch im Kurs sind momentan pures Coconut-Water, was geschmacklich an den Thailand-Urlaub erinnert, wo man mit Blick auf den Ozean eine grüne Kokosnuss mit Strohhalm für gefühlte 15 Cent gereicht bekommt und denkt, dass man nie wieder im Leben irgendwas anderes trinken müsste. Die Verpackung ist dann zwar leider etwas weniger schön (Hallo Tetrapack), aber immerhin können wir uns Coconut Water jetzt auch in unseren Breiten gönnen und dem Körper dabei noch etwas richtig Gutes tun. Ähnliches gilt für Aloe-Vera-Drinks, die uns auch an jeder Ecke entgegengestreckt wurden. Auch lecker und gesund!

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Danaben gab es natürlich die üblichen Saft-Stände von Marken, die wir aus dem Supermarkt kennen. Aber so richtig gefreut haben wir uns, als wir den Stand der Obstkelterei van Nahmen aus Hamminkeln gefunden haben, auf deren Säfte wir einfach schwören und die wir im Gasthof mit besonders guten Gewissen anbieten. Und dann eine kleine Rechtsdrehung, da tat sich wie eine Fata Morgana der Bitburger-Stand auf! Leider 15 Minuten Aufräum-Pause … Okay, dann eben woanders Craft Beer probieren. :-)

Schwein gehabt!

Besonders schön war es übrigens in der DEHOGA-Area. Hier gab es neben köstlichen Wildspezialitäten auch Whiskey-Tasting und dazu noch Raum und Zeit, um mal vom Messestress abzuschalten. Ein großes Dankeschön an die DEHOGA!

FBUnd auch, wenn sich unser kleiner Horrorfilm vom Anfang noch in eine Kombination aus Komödie und Fach-Dokomentation gewandelt hat: Nächstes Jahr müssen wir uns mal überlegen, ob die Anuga tatsächlich das Richtige für uns ist. Noch interessanter sind für uns bestimmt regionale, kleinere Messen, bei denen Restaurants und Köche eher die Hauptzielgruppe sind. Aber eins steht wohl fest: Wir hatten einen tollen, lustigen und leckeren Tag! Und unseren lebenslangen Anteil an Serrano-/Parma- oder Schinken vom Iberico Schwein haben wir dank der Anuga 2015 wohl auf jeden Fall erreicht. High Five!

Hier noch ein paar Mitbringsel:

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